Zeichnung vom Zwerchfell und seiner Lage im Pferdeskelett.

Zeichnung vom Zwerchfell und seiner Lage im Pferdeskelett. Die Lunge würde im Brustkorb direkt auf dem Zwerchfell liegen und dieses größtenteils abdecken. 

Husten beim Pferd – was steckt dahinter und wie kannst du helfen?

Du kennst es vielleicht: Dein Pferd räuspert sich beim Anreiten, hustet nach dem ersten Galoppsprung oder auch mal ganz ohne ersichtlichen Grund? Gerade bei wiederkehrendem Husten lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn selbst wenn der Tierarzt keine akute Infektion feststellen kann, könnte der Ursprung ganz woanders liegen. In diesem Beitrag erfährst du, welche körperlichen und strukturellen Ursachen hinter Husten stecken können – und wie du dein Pferd sinnvoll unterstützen kannst.


Infektionen, Viren und Co. – wenn Krankheitserreger die Atmung belasten

Akuter Husten beim Pferd entsteht häufig durch Infektionen der Atemwege. Bakterien wie Streptococcus equi sind zum Beispiel verantwortlich für die bekannte Pferdekrankheit Druse – eine hochansteckende Erkrankung, bei der besonders die Lymphknoten im Kopfbereich betroffen sind.

Die Lymphknoten unterhalb des Unterkiefers, die sogenannten Lnn. mandibulares, lassen sich leicht ertasten: Sie liegen zwischen den Unterkieferästen, direkt hinter dem Kinn. Sind sie geschwollen, hart oder schmerzhaft, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Entzündung. Tiefer im Halsbereich befinden sich die Lnn. retropharyngeales, die jedoch nur bei starker Schwellung auffallen.

Auch Viren wie Influenza oder das Equine Herpesvirus 4 können die Atemwege belasten. Häufig schwächt eine virale Infektion zunächst das Immunsystem – und Bakterien nutzen dann die Gelegenheit, sich anzusiedeln.

Hat das Pferd zusätzlich zu dem Husten geschwollene Lymphkonten, Fieber, ist träge und hat Nasenausfluss solltest du immer direkt den Tierarzt verständigen und die mögliche Ursache abklären lassen.


Die unterschätzte Ursache: Körperliche Spannungen als Auslöser für Husten

Wenn Infektionen ausgeschlossen sind, lohnt sich der Blick auf die körperliche Ebene. In meiner osteopathischen Praxis sehe ich regelmäßig Pferde, bei denen Verklebungen, Blockaden oder muskuläre Dysbalancen den Husten begünstigen – oft unbemerkt und schleichend.

Ein zentrales Element dabei ist das Zwerchfell (abgebildet in den Zeichnungen)  – der große Atemmuskel, der Brust- und Bauchraum voneinander trennt. Ist dieser Muskel verspannt, wird das natürliche Atemmuster gestört. Viele Pferde zeigen dann eine flache Atmung oder husten bei bestimmten Bewegungen – etwa beim Antraben oder nach dem Wälzen.

Auch die Rippen sollten sich bei jeder Ein- und Ausatmung frei bewegen können. Sind sie blockiert, kann der Brustkorb sich nicht richtig ausdehnen – was die Atmung einschränkt und zu wiederkehrendem Husten führen kann.

Eine besonders enge funktionelle Verbindung besteht zudem zwischen dem Zwerchfell und dem Hüftbeuger (M. iliopsoas). Beide Muskeln sind über fasziale und anatomische Strukturen miteinander verbunden – Verspannungen in einem Bereich wirken sich direkt auf den anderen aus. Ist der Hüftbeuger zu fest oder eingeschränkt, beeinflusst das auch die Atemdynamik und Zwerchfellfunktion.

Diese Wechselwirkungen zeigen, wie eng Bewegung, Haltung und Atmung beim Pferd miteinander verknüpft sind


Was du tun kannst, um die Atmung deines Pferdes zu fördern

Hier ist das Ziel, die Bauchmuskulatur zu aktivieren – denn diese unterstützt das Zwerchfell bei seiner Arbeit. Reite dafür viele Übergänge oder ermögliche deinem Pferd, im Galopp am längeren Zügel seinen eigenen Rhythmus zu finden. So wird das Zwerchfell auf natürliche Weise mitbewegt und kann seine Funktion besser erfüllen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Biegung und Beweglichkeit. Das erreichst du zum einen durch ausgiebiges Wälzen – achte darauf, dass dein Pferd ausreichend Platz hat, um sich wirklich komplett zu drehen. Zum anderen eignet sich Bodenarbeit mit vielen Richtungswechseln und Biegungen, um die Beweglichkeit des Brustkorbs und der Rippen zu verbessern.

Natürlich solltest du auch auf die Haltungsbedingungen achten: Bedampftes Heu, staubarmes Einstreu und eine gute Belüftung im Stall sind besonders wichtig für empfindliche Pferde und helfen, die Atemwege dauerhaft zu entlasten.


Osteopathie und Chiropraktik – für freie Atmung

Wenn strukturelle Ursachen hinter dem Husten vermutet werden, lohnt es sich, einen Pferdeosteopathen hinzuzuziehen. In der osteopathischen Behandlung wird nicht nur das Zwerchfell gezielt gelöst, sondern auch die umliegende Muskulatur sowie Organe im Brust- und Bauchraum mit einbezogen.

Ergänzend werden die Rippen und Wirbelsäule sanft mobilisieren, um die Beweglichkeit des Brustkorbs und damit die Atemfunktion zu verbessern. Dies kann helfen, dem Pferd wieder zu einer tiefen, freien Atmung zu verhelfen – und die natürlichen Bewegungsabläufe nachhaltig zu unterstützen

Auch nach einer überstandenen viralen oder bakteriellen Atemwegserkrankung ist es sinnvoll, den Körper gezielt zu unterstützen. Denn wenn ein Pferd über einen längeren Zeitraum verstärkt hustet, kann sich die Atemhilfsmuskulatur verkrampfen und dauerhafte strukturelle Veränderungen nach sich ziehen. Auch solche Pferde behandle ich gern: Durch gezielte osteopathische Techniken begleite ich sie dabei, zu ihrer ursprünglichen Beweglichkeit, Atemfreiheit und Leistungsfähigkeit zurückzufinden – so wie vor der Erkrankung. 

 


Zeichnung mit Blick von hinten aus dem Querschnitt der letzten Rippe. Zu sehen ist das Zwerchfell von hinten.

Zeichnung mit Blick von hinten aus dem Querschnitt der letzten Rippe. Zu sehen ist das Zwerchfell von hinten. Es liegt wie ein Netzt in Körper des Pferdes und trennt die Lunge von den Bauchorganen.